03.05.2011

2. Liberaler Salon: Bildung in Deutschland

Bildung ist die soziale Frage der Gegenwart – und die zentrale Frage der Zukunft. Doch das Bildungssystem in Deutschland ist seit Jahren eine Baustelle. Ein Umstand, den FDP-Generalsekretär Christian Lindner im zweiten Liberalen Salon näher beleuchten wollte. Zwei prominente Mitstreiter hat er sich dazu geholt: Mit Bernhard Bueb und Ulrich Schneider wurde im Thomas-Dehler-Haus die Frage diskutiert: „Bildung in Deutschland – Sozialer Fahrstuhl oder Sackgasse?“

Im Rahmen der Grundsatzdebatte hat Christian Lindner die Idee der politischen Salons umgesetzt. Beim ersten Liberalen Salon ging es um den künftigen Kurs Europas. Doch große Themen und große Herausforderungen für Liberale gibt es viele. Dazu gehört auch die Bildung. Denn: Bildung, Wissen und Kreativität entscheiden darüber, ob unsere Kinder die Chancen ihres selbstbestimmten Lebens tatsächlich nutzen können. Ebenso entscheiden sie über die Wohlfahrt unserer Gesellschaft in einer globalisierten Welt. Für die FDP ist Bildung deshalb die soziale Frage der Gegenwart – und die zentrale Frage der Zukunft.

Doch das Bildungssystem in Deutschland ist seit Jahren eine Baustelle: „Ungerechte Zugangschancen, Kindergärten, Schulen und Hochschulen, die durch Bürokratie und Vorschriften 16 verschiedener Gesetzgeber gefesselt sind, mittelmäßige PISA-Ergebnisse und ein katastrophaler baulicher Zustand der Bildungseinrichtungen sind nur einige der Symptome, die viele Eltern und Kinder viel zu gut kennen“, hieß die Ausgangsthese für den zweiten Liberalen Salon.

Kinder haben unser Bildungssystem nicht verdient

FDP-Generalsekretär Christian Lindner lud den ehemaligen Direktor des Internats Schloss Salem, Bernhard Bueb, und den Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, ein, um mit ihnen und den knapp hundert Gästen im Thomas-Dehler-Haus diverse Fragen rund um die Bildung in Deutschland zu diskutieren: „Wie schaffen wir für alle Kinder gleiche Chancen am Start? Wie bringen wir das deutsche Bildungssystem jenseits ideologischer Debatten in Form für das 21. Jahrhundert? Wie können wir den Bildungsföderalismus in Deutschland verteidigen und gleichzeitig weiterentwickeln?“

Diese Fragen bildeten die Grundlage für die „erste Diagnoserunde“, die Lindner mit den Worten „unsere Kinder haben dieses System nicht verdient“, einleitete. Der Verfasser der Streitschrift „Lob der Disziplin“, Bueb, legte als erster seine Vorstellung von einer umfassenden Bildung dar. „Wenn wir Freiheit und Wohlstand in Deutschland sichern wollen, müssen die deutschen Schulen Kindern unabhängig von ihren Eltern zu Selbstvertrauen und Selbstdisziplin verhelfen.“

Plädoyer für Ganztagsschulen

Bueb, der auf dem Standpunkt steht, dass Bildung auf Selbstvertrauen beruht, kritisierte, dass Lehrer in Deutschland nur akademisch bilden, nicht aber die Charakterstärke. „Deswegen brauchen wir Ganztagesschulen. Ein Großteil der Lehreraufgabe ist psychologische Betreuung, nur wenig Wissensvermittlung.“

Auch Ulrich Schneider findet, dass „Kinder Spaß haben, Erfolg haben müssen“. Und dieser Erfolg hänge vom Lehrer ab. Es ist „höchste Zeit ist, dass wir die bürokratischen Verkrustungen unseres Bildungssystems aufbrechen und unsere Schulen zurück von der grünen Wiese mitten ins Leben holen.“ Seiner Ansicht nach „kriegen wir das Riesenpotenzial nicht zusammen.“

Das betrifft vor allem auch die Eltern. „Sie haben zu wenig Mitbestimmung, was ihre Kinder lernen. Nach dem Elternwillen wird nicht gefragt.“

Schule vom Kinde her denken

In der darauffolgenden munteren Diskussionrunde kristallisierte sich eines heraus: An der Grundschule gab es nicht viel auszusetzen, erst danach setzen die Problem im Bildungssystem ein.

Ulrich Schneider bemängelte die mangelnde Durchlässigkeit des Systems. Auch Bueb sieht das so. Er wünscht sich, dass unser Bildungssystem wie ein „großer Garten ist“. Leider würden die Lehrer in Deutschland „nicht vom Kind her, sondern von der Prüfungsordnung her“ denken. „Deswegen wurden von Eltern die Reformschulen gegründet. Hier wird vom Kind her gedacht.“

Charakterbildung statt reiner akademischer Bildung. Dies war eine der Hauptforderungen Buebs zur Bekämpfung des deutschen Bildungsdefizits. Dabei solle nicht die Wissensvermittlung im Vordergrund stehen, sondern das Lernen durch Erfahrung, durch das Spiel, durch sinnvolle Arbeit für die Gesellschaft, durch die Gemeinschaft mit anderen. „Wir leiden an der rein akademischen Bildung.“ Er fordert für die Zukunft eine stärkere Gewichtung der Charakterbildung – und die brauche ein große Gemeinschaft.

„Es braucht die Ganztagesschule, in der auch Sport und Musik angeboten werden – damit macht Schule viel mehr Spaß“. Auch für Lehrer könne, so Bueb, die ganztägige Gemeinschaft mit den Schülern nur von Vorteil sein.

Schulen in die Freiheit entlassen

Sowohl Bueb als auch Schneider sind der festen Überzeugung, dass das Schulsystem in einer Hinsicht umgekrempelt werden muss: Autonomie für Schulen und Lehrer. „Wir brauchen Vielfalt und Experimente“, so Schneider. Deswegen müsse man Schulen privat organisieren und staatlich finanzieren, pflichtete Bueb ihm bei. Schulen müssten in Wettbewerb zueinander stehen. „Wir wollen Bürgerschulen. Die FDP sollte sich diesem Aufgabenfeld zuwenden“, lautete der Schlussappell Schneiders. (Quelle: liberale.de)


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